
KI-Dokumentation in der Psychotherapie: Neue Studienergebnisse zur Entlastung im Praxisalltag

Das Verfassen von Sitzungsnotizen und Berichten ist rechtlich verpflichtend, kostet jedoch wertvolle Zeit sowie emotionale und kognitive Ressourcen. Genau hier setzen „Ambient AI Scribes“ - KI-gestützte Dokumentationssysteme - an.
In meiner Doppelrolle als Wissenschaftlerin und als fachliche Leitung bei VIA bewege ich mich täglich an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis. Umso mehr freue ich mich, heute die Veröffentlichung der in Kooperation mit Julian Schwarz (MD) von der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und mir durchgeführten qualitativen Studie im Fachjournal Die Psychotherapie (Springer Medizin) mit Ihnen zu teilen.
Die Studie: Ein unvoreingenommener Blick in die Praxis
Bisher wird viel über die theoretischen Potenziale von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitssektor gesprochen. Unser Ziel als Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Brandenburg war es, evidenzbasiert zu prüfen: Wie erleben Behandelnde den Einsatz von KI tatsächlich in ihrem Arbeitsalltag?
Dafür haben wir von April bis Juni 2025 halbstrukturierte Interviews mit elf ambulanten Psychotherapeut:innen geführt, die bereits praktische Erfahrung mit KI-gestützter Dokumentation gesammelt haben – im Rahmen dieser Studie speziell mit dem System VIA. Um Verzerrungen (Bias) zu vermeiden, war uns im Forschungsprozess eine methodisch saubere und kritische Auswertung der Interviews besonders wichtig. Es ging uns nicht darum, ein spezifisches Tool zu bewerten, sondern die Auswirkungen der Technologie auf den Therapieprozess neutral zu verstehen.
Die Ergebnisse: Potenziale für den Berufsstand
Die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse der Daten zeigte uns relevante Erkenntnisse auf:
- Spürbare zeitliche und kognitive Entlastung: Viele der befragten Psychotherapeut:innen berichteten von einer deutlichen Reduktion ihrer administrativen Belastung.
- Benutzerfreundlichkeit: Die Psychotherapeut:innen berichteten mehrheitlich von einer einfachen Handhabung des KI-Tools.
- Grundsätzliche Zufriedenheit: Insgesamt wurde die Technologie als nützliche Assistenz wahrgenommen, die den Arbeitsalltag spürbar erleichtert.
Wissenschaft fordert die Praxis heraus: Grenzen und Bedarfe
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfordert immer auch den Fokus auf Limitationen und offene Baustellen. Die Studie beleuchtet klar, wo die Herausforderungen für KI im Praxisalltag liegen: Die Befragten äußerten unter anderem den Wunsch nach einer tieferen Systemintegration (etwa direkte Schnittstellen zu bestehenden Praxisverwaltungssystemen) und stärker individualisierbaren Vorlagen. Auch die Qualitätssicherung der generierten Texte, der Umgang mit gelegentlichen Vorbehalten von Patient:innen und der absolute Schutz sensibler Daten wurden als zentrale Themen identifiziert.
Was bedeutet das für uns bei VIA?
Aus der Perspektive der fachlichen Leitung bei VIA sind genau diese kritischen, wissenschaftlich fundierten Einblicke wertvoll. Sie unterstreichen, dass Technologie in der Therapie kein Selbstzweck sein darf und stetig an die Bedürfnisse der Praxis angepasst werden muss.
Die ethische und sichere Implementierung von KI erfordert die fachliche Kontrolle durch die Behandelnden sowie kompromisslosen Datenschutz. Die in der Studie formulierten Herausforderungen und Wünsche der Psychotherapeut:innen sehen wir als klaren Arbeitsauftrag für die Weiterentwicklung unserer Software. Wir möchten Systeme bauen, die den strengen Ansprüchen des therapeutischen Alltags gerecht werden.
Fazit
Die Studie zeigt: Ambient AI Scribes haben das Potenzial, unseren Berufsstand nachhaltig von administrativer Last zu befreien - vorausgesetzt, sie werden verantwortungsvoll, transparent und datenschutzkonform eingesetzt.
Ich lade Sie herzlich ein, die kompletten Ergebnisse und Diskussionen im Open-Access-Artikel „KI-Dokumentation in der Psychotherapie“ bei Springer Medizin zu lesen: 👉 Hier geht es zur vollständigen Studie
M.Sc. Vera Goer
Studienautorin & Fachliche Leitung bei VIA









