VIA HealthTech zu Gast bei docsdigital

Kürzlich war Manuel Gremblewski, Co-Founder von VIA HealthTech, zu Gast bei docsdigital, einem der relevantesten deutschsprachigen Podcasts an der Schnittstelle von Medizin, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Manuel Gremblewski
10. August 2026

docsdigital: Digitalisierung im Gesundheitswesen aus der Perspektive der Praxis

docsdigital ist ein wöchentlicher Podcast und Videocast von Dr. Alexandra Widmer, Fachärztin für Neurologie und ärztliche Psychotherapeutin. Seit über zwei Jahren beleuchtet sie darin konsequent eine zentrale Frage: Wie verändert Künstliche Intelligenz die medizinische Versorgung und was davon kommt im klinischen Alltag tatsächlich an?
Alexandra Widmer spricht nicht aus der Außenperspektive, sondern arbeitet selbst aktiv in der Versorgung, was die Gespräche sehr praxisnah und authentisch macht. Ihr Motto fasst die Haltung des Podcasts treffend zusammen: „Become a digital doctor and change the culture of medicine."
Zu Gast sind Ärztinnen und Ärzte aus Forschung und Praxis, HealthTech-Gründerinnen und -Gründer, Vertreterinnen und Vertreter aus Pharma und Gesundheitspolitik. Das Spektrum reicht von Assistenzärztinnen der Charité, die KI-Lehrbücher verfassen, über Psychiaterinnen, die hybride Tageskliniken aufbauen, bis hin zu leitenden Köpfen der Digitalisierungsstrategie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Themen sind so vielfältig wie das Gesundheitssystem selbst, doch haben sie einen klaren inhaltlichen Kompass: Was bedeutet das für die Arzt-Patienten-Beziehung? Was verändert sich in der Versorgungsrealität?
Wer verstehen möchte, wie Digitalisierung die Medizin jenseits von Pressemitteilungen und Förderanträgen verändert, findet bei docsdigital eine der verlässlichsten Orientierungshilfen im deutschsprachigen Raum.

Folge 254: „Wenn Psychotherapeut:innen mit KI Gespräche aufzeichnen, was passiert dann?"

In der aktuellen Episode diskutiert Dr. Widmer mit Manuel Gremblewski die Fragen, die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bewegen, wenn sie erstmals mit KI-gestützter Dokumentation in Berührung kommen. Das Gespräch ist sachlich, praxisnah und geht dabei über oberflächliche Technologiebegeisterung hinaus.
Die zentralen Themen der Folge:

Datenschutz als Grundlage – nicht als Nachgedanke

Die erste Frage, die Therapeutinnen und Therapeuten stellen, wenn sie von KI-gestützter Sitzungsdokumentation hören, ist immer dieselbe: Wo landen die Daten meiner Patientinnen und Patienten?
VIA HealthTech nimmt die Sitzungen als Audiodatei auf, verarbeitet sie ausschließlich auf EU-Servern und fasst sie zu strukturierten Sitzungsprotokollen zusammen. Rohdaten wie Transkript oder Audiodatei werden täglich gelöscht und die Nutzerinnen und Nutzer haben stets die vollste Kontrolle über die Daten.
Diese Architektur ist kein Marketing-Versprechen, sondern technisch zertifiziert: VIA HealthTech ist BSI-C5-testiert und ISO-27001-zertifiziert. 2026 wurde das Unternehmen dafür mit dem Digital Health Award Gesundheit ausgezeichnet.
Hinter diesen Entscheidungen steckt eine klare Überzeugung: In der Psychotherapie werden Inhalte besprochen, die zum Sensibelsten gehören, was Menschen teilen: Traumata, Gewalterfahrungen, Suizidgedanken. Datenschutz ist hier nicht Compliance, sondern Voraussetzung für therapeutisches Vertrauen.

Was Patientinnen und Patienten tatsächlich sagen

Eine der verbreitetsten Annahmen unter Therapeutinnen und Therapeuten lautet: Meine Patientinnen und Patienten werden eine KI-Aufzeichnung ablehnen.

Die Praxiserfahrung widerlegt das deutlich. Rund 95 Prozent der Patientinnen und Patienten stimmen der Aufzeichnung zu. Eine Quote, die viele Therapeutinnen und Therapeuten überrascht. Ob dies auf Vertrauen in die Fachkraft zurückzuführen ist, auf die Alltäglichkeit digitaler Aufzeichnungen im privaten Umfeld oder auf pragmatische Akzeptanz nach langer Wartezeit auf einen Therapieplatz, eindeutig beantworten lässt sich das nicht. Vermutlich spielen alle Faktoren eine Rolle.
Das überraschendste Feedback kommt jedoch nicht von den Patientinnen und Patienten direkt, sondern von Therapeutinnen und Therapeuten, die berichten, was ihre Patientinnen und Patienten ihnen sagen:

Du bist auf einmal viel mehr da in der Stunde.

Nicht weil sich inhaltlich etwas verändert hätte. Sondern weil die Therapeutin nicht mehr gleichzeitig tippt, notiert und zuhört – sondern einfach hinschaut.

Von der Sitzungsdokumentation zum Gutachterantrag

VIA HealthTech unterstützt heute zwei Kernbereiche: die automatisierte Sitzungsdokumentation und die Berichterstellung.
Jede Sitzung wird protokolliert. Therapeutinnen und Therapeuten können eigene klinische Beobachtungen ergänzen, bspw. per Diktat, da therapeutisch relevante Informationen häufig nonverbal entstehen: ein vermiedener Blickkontakt, eine veränderte Körperhaltung bei bestimmten Themen. Die Software nennt diesen Bereich „therapeutische Beobachtung" und integriert ihn in den Gesamtoutput.
Auf Basis der gespeicherten Sitzungsprotokolle lassen sich anschließend automatisch Entwürfe für Anträge, Zwischenberichte und Arztbriefe erstellen – eine der zeitintensivsten Tätigkeiten in der niedergelassenen Psychotherapie, die mit VIA HealthTech erheblich effizienter wird.
Dabei gilt eine klare Grenze: VIA HealthTech erstellt keine Diagnosen und trifft keine klinischen Entscheidungen. Die Software ist eine rein administrative KI. Was nicht als fachlicher Input eingebracht wird, wird auch nicht als Output formuliert. Therapeutische Expertise bleibt dort, wo sie hingehört, bei den Fachkräften.

Ausblick: Was als Nächstes kommt

VIA HealthTech befindet sich an einem Punkt, an dem die Kernfunktionalitäten in der Praxis erprobt und etabliert sind. Die nächste Frage ist produktstrategischer Natur: Welche Features schaffen den größten Mehrwert und auf welchem wissenschaftlichen Fundament?
Supervisions-Funktionen, die Therapeutinnen und Therapeuten Rückmeldung zur eigenen Gesprächsführung geben? Statistische Verlaufsanalysen über viele Sitzungen hinweg? Patientenportale, die therapeutische Hausaufgaben oder Notizen zugänglich machen? All das ist konzeptionell denkbar und würde zunehmend in den Bereich klinischer Entscheidungsunterstützung übergehen, mit den entsprechenden regulatorischen Anforderungen an Medizinprodukte.
VIA HealthTech verfolgt diesen Weg in enger Kooperation mit wissenschaftlichen Partnerinstitutionen, darunter eine Forschungskooperation mit dem Fachbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Trier. Der Anspruch ist klar: Evidenz vor Geschwindigkeit.

Jetzt reinhören: docsdigital, Folge 254: „Wenn Psychotherapeut:innen mit KI Gespräche aufzeichnen – Was passiert dann?"